Ätherische Öle gehören meiner Meinung nach zu den absolut unterschätzten natürlichen Heilmitteln. Während Tees und Tinkturen vielleicht noch die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird, verbinden viele Leute ätherische Öle mit Esoterik, Duftlampen oder schlimmstenfalls mit der Tannenklobeduftung der Oma. Doch Aromaöle sind wahre Alleskönner und tun Körper, Geist und Seele gut.

Insbesondere in der Frauenheilkunde haben ätherische Öle deshalb einen festen Platz verdient. In diesem Artikel möchte ich dir einen Überblick über das Thema „Ätherische Öle für Frauen“ geben und dir die wichtigsten Basics vermitteln. Dann stelle ich dir in den nächsten Blogposts die besten Aromaöle für Frauen vor. So kannst du dir nach und nach deine eigene Frauenhausapotheke zusammenstellen und hast bestenfalls immer das passende Aromaöl zur Hand. Legen wir los!

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Was sind ätherische Öle?

 

Ätherische Öle sind die Basis der Aromatherapie. Es handelt sich hierbei um konzentrierte Pflanzenstoffe, die die Pflanzen vor Krankheiten, Austrocknung, Kälte oder Wärme schützen. Sie sind farblos, hellgelb, bernsteinfarben, bräunlich oder grünlich. Ätherische Öle weisen einen sehr starken Geruch und auch Geschmack auf. Hast du schon mal ein Pfefferminzblatt zwischen deinen Fingern zerrieben? Den Geruch kannst du oft mehrere Stunden später noch wahrnehmen.

 

Der charakteristische Duft des jeweiligen Öls wird durch seine chemische Zusammensetzung bestimmt. Einige Öle bestehen aus mehreren hundert Einzelsubstanzen. Grundsätzlich lassen sich den einzelnen Inhaltsstoffen zwar Wirkungen zuordnen, dabei gilt jedoch immer: Das Ganze ist immer vielmehr als die Summe seiner Teile. Die einzelnen Substanzen ergänzen sich gegenseitig und sind für Duft und Wirkung gemeinschaftlich verantwortlich. 

 

Die ätherischen Öle finden sich je nach Pflanze in den Blüten, den Blättern, Wurzeln, Früchten, Samen oder Pflanzenstängeln. Mittels verschiedener Extraktionsmethoden werden die Öle aus den Pflanzen gewonnen. Die beliebteste Methode zur Gewinnung ätherischer Öle ist die Wasserdampfdestillation. Ätherische Öle lassen sich je nach Pflanze auch durch einen Fettauszug (Enfleurage) oder eine Kaltpressung gewinnen. Der Vollständigkeit halber erwähne ich hier auch ätherische Öle tierischen Ursprungs: Moschus, Zibet oder beispielsweise Bibergeil. Sie gehören zu den kostbarsten Düften, sollten aber aus ethischen und ökologischen Gründen meiner Meinung nach nicht verwendet werden. Es gibt genauso gute pflanzliche Alternativen.

 

Ätherische Öle – wirklich nur Wellness?

 

Eine Zeit lang stand in jedem Wohnzimmer eine Kerzenduftlampe. Häufig wurden dann hier Düfte vom Weihnachtsmarkt in der Duftrichtung Lebkuchen-Honig-Mandarine verdampft. Das riecht sicherlich gut, hat aber mit ätherischen Ölen und vor allem Aromatherapie überhaupt nichts zu tun. Ätherische Öle sind zwar eine absolute Wohltat für die Seele und den Geist, aber genauso haben sie eine körperliche Wirkung. Kurz gesagt: Ätherische Öle beeinflussen den Körper auf eine ganzheitliche Art und Weise. Sie wirken sowohl lokal über die Haut und die Schleimhaut als auch über den Geruchssinn und nehmen so systemischen Einfluss auf das Nervensystem und auch auf das Hormonsystem. Dabei wirken sie unter anderem:

  • entspannend
  • krampflösend
  • anregend
  • libidosteigernd
  • stimmungsaufhellend
  • beruhigend
  • schmerzlindernd
  • entzündungshemmend

 

Der Weg der ätherischen Öle über die Haut

 

Ätherische Öle sind fettlöslich. Deshalb werden sie von der Haut und den Schleimhäuten besonders gut aufgenommen. Über die Haut gelangen die Wirkstoffe ins Lymph- und Blutsystem und können ihre Wirkung dann im Körper entfalten. Das geht erstaunlich schnell. Schon einige Minuten nachdem du dich mit einem ätherischen Öl eingerieben hast, lassen sich die Inhaltsstoffe im Blut nachweisen. Nach maximal 2 Stunden atmest du sogar ätherische Öle aus. Besonders schnell gelangen die Öle ins Blut, wenn sie in den Ellenbeugen oder auf den Innenseiten der Handgelenke eingerieben werden. Natürlich ist auch eine Aufnahme über die Schleimhäute wie die Vaginal- oder die Darmschleimhaut möglich. Zum Beispiel sind ätherische Öle ein wirklich wirkungsvolles Mittel gegen Scheidenpilz.

 

Der Weg über die Nase

 

Auch wenn ich mich vorhin ein wenig über die Duftlampe lustig gemacht habe, ist sie dennoch ein gutes Mittel, um die Aromatherapie anzuwenden. Ätherische Öle können die Kommunikation von Nerven-, Immun- und Hormonsystem positiv beeinflussen. Der Geruchssinn ist eng mit dem limbischen System verbunden. In diesem Teil des Gehirns entstehen unsere Gefühle. Du kennst sicherlich folgende Situation: Du gehst die Straße entlang und nimmst einen bestimmten Geruch wahr und plötzlich bist du in einer ganz anderen Zeit. Ein tiefer Atemzug einer Duftnuance reicht aus, um Erinnerungen und Gefühle zu wecken. Bei mir ist das der Duft nach Sonnenmilch und frisch gemähtem Rasen. Nehme ich das wahr, sitze ich wieder als 6-jährige im Schrebergarten meiner Großeltern und bin glücklich.

 

Vom limbischen System aus werden aber nicht nur das emotionale Verhalten, sondern auch Sexualität und das Gedächtnis gesteuert. Ebenso beeinflusst das System die Arbeit des Hypothalamus, der Epiphyse, der Hypophyse und des vegetativen Nervensystems. Eine wichtige Info, wenn du bedenkst, dass die Hypophyse besonders wichtig für die hormonelle Steuerung ist. Alle Abläufe in diesen Organen können durch ätherische Öle positiv beeinflusst werden. Auch die Aufnahme über den Geruchssinn solltest du also keinesfalls unterschätzen. Um eine gute Wirkung zu erzielen, solltest du beim Kauf aber unbedingt auf eine gute Qualität achten. Doch woran erkennst du Öle guter Qualität?

 

Naturreine, naturidentische oder synthetische Öle?

 

Auf jeden Fall sollten deine ätherischen Öle immer naturrein sein. Nur naturreine Öle sind chemisch nicht verändert und haben ihr volles Wirkpotenzial. Anders sieht es schon bei standardisierten Ölen aus. Ätherische Öle sind Naturprodukte und je nach Wetter oder Anbaugebiet können die Inhaltsstoffe leicht schwanken. Bei standardisierten Ölen darf das nicht der Fall sein. Deshalb werden ihnen einzelne Substanzen ganz oder zum Teil entzogen. Enthält die Ölcharge entsprechend dem Deutschen Arzneibuch (DAB) beispielsweise zu wenig Inhaltsstoff X, wird dieser der Norm angepasst. So soll eine Vergleichbarkeit erzielt werden. Diese Vorgehensweise widerspricht jedoch ganz klar dem ganzheitlichen Grundgedanken der Aromatherapie.

 

Naturidentische Öle bestehen zwar aus Molekülen, die in der Natur wirklich existieren, sie entstehen aber im Labor. Dort werden quasi Kopien der naturreinen Öle hergestellt. Selbst geübte Nasen erkennen den Unterschied nicht immer. Allerdings sind selbst bei gut erforschten Ölen nicht immer alle Inhaltsstoffe komplett erforscht. Naturidentische Öle erzielen deshalb nie die ganzheitliche Wirkung von ätherischen Ölen.

 

Synthethische Öle sind einfach künstliche Öle. Sie werden im Labor konstruiert und sind so in der Natur nicht vorhanden. Synthethische Öle werden zum Beispiel in der Duftstoffindustrie verwendet, kommen aber auch als Duftöle für den Heimgebrauch zum Einsatz. Verdächtig sind beispielsweise Öle, die sich eigentlich gar nicht auf natürliche Weise gewinnen lassen. Dazu gehören Flieder, Pfirsich oder Lilie.

 

So erkennst du ein gutes ätherisches Öl

 

Folgende Angaben solltest du auf dem Etikett finden (nach Monika Werner / Ruth von Braunschweig):

  • 100 % reines ätherisches Öl
  • die lat.-botanische Bezeichnung der Herkunftsplanze (denn Lavendel ist nicht gleich Lavendel!)
  • ggf. der Chemothyp (z.B. Thymian Typ Linalool – nicht jede Pflanze hat aber einen Chemotyp)
  • der deutsche Pflanzenname
  • das Ursprungsland
  • die Anbauweise
  • den Pflanzenteil, aus dem das Öl gewonnen wurde
  • das Gewinnungsverfahren (falls Extraktion muss das Lösungsmittel angegeben werden, mit dem das Öl gelöst wurde)
  • bei verdünnten Ölen das Mischungsverhältnis
  • die Füllmenge in Milliliter
  • Sicherheitshinweise und Chargennummer zur Identifikation)

 

ätherische öle qualität

 

 

Ätherische Öle richtig lagern

 

Ätherische Öle sind richtige Schätze, die sich je nach Art sehr lange halten. Flüchtige Öle wie beispielsweise Zitrusöle haben in etwa eine Haltbarkeit von einem Jahr. Die meisten Öle sind 2 bis 3 Jahre haltbar. Einige Öle werden mit der Zeit immer besser und halten sich dementsprechend lange. Dazu gehören zum Beispiel Vetiver oder Patchouli. Damit du lange Freude an deinen Ölen hast solltest du bei der Lagerung Folgendes beachten:

  • Ätherische Öle reagieren empfindlich auf Licht, deshalb sind sie immer in dunkle Glasfläschchen verpackt. Wenn du dir eigene Mischungen fertigst, lagere auch diese in Braunglasfläschchen oder ähnlichen Behältnissen.
  • Vermeide Temperaturschwankungen bei der Lagerung. Optimal ist eine mittlere Raumtemperatur von 18 bis 20 Grad.
  • Sauerstoff tut den Ölen nicht so gut. Lass deine Fläschchen deshalb nicht offen stehen, sondern verschließe sie nach Benutzung direkt wieder.

 

So wendest du ätherische Öle richtig an

 

Ganz wichtig: Ätherische Öle werden immer verdünnt genutzt. Das gilt vor allem, wenn du noch am Beginn deiner Ölliebe bist. Ich habe eine zweijährige Ausbildung in Phyto- und Aromatherapie absolviert und es gibt nur ein Öl, dass ich pur auf die Haut auftrage: Lavendel! Dasselbe gilt für die innere Einnahme. Ich weiß, dass es viele Aromaberater gibt, die die innere Einnahme bedenkenlos empfehlen. Ich halte das a) für gefährlich und b) für unnötig. Ätherische Öle sind so potent, dass die ungefährlichere und einfachere Anwendung über die Haut / die Beduftung in den meisten Fällen absolut ausreicht. Du solltest dir immer bewusst machen, dass ätherische Öle wirklich die konzentrierte Essenz der Pflanze enthalten. So entspricht beispielsweise 1 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl der Wirkung von 28 Tassen Pfefferminztee!

 

Du kannst ätherische Öle einfach anwenden:

  • in der Duftlampe / im Diffusor
  • zur Inhalation / als Gesichtsdampfbad
  • als Vollbad
  • in einem Körperöl
  • in Cremes, Shampoos etc.
  • für Wickel, Kompressen und Umschläge
  • als Vaginal- oder Analzäpfchen

 

Ätherische Öle zum Baden oder als Körperöl

Ätherische Öle sind nicht wasserlöslich. Du brauchst also einen Emulgator, um sie in Bädern oder ähnlichem einzusetzen. Geeignet sind je nach Anwendungsform Alkohol, Sahne, fette Milch, Honig oder Meersalz. Wenn du die Öle auf die Haut aufbringen möchtest, kannst du natürlich fette Öle wie Jojobaöl, Mandelöl oder auch einfach Olivenöl nutzen. Die Dosierung sollte 0,5 bis maximal 3% betragen. Das hängt natürlich auch immer von dem jeweiligen Öl und dem Anwendungszweck ab. Bei einer 1%igen Mischung gibst du 20 Tropfen ätherisches Öl in 100 ml Basisöl. Bei einer 2%igen Mischung wären es entsprechend 40 Tropfen. Anfangs würde ich dir jedoch empfehlen erstmal fertige Rezepturen auszuprobieren und dich an die jeweiligen Mischverhältnisse zu halten. So kannst du dir sicher sein, dass das Ergebnis stimmt. Später kannst du natürlich dann auch nach Herzenslust selbst experimentieren.

Ich gebe zu, dass die Aromabasics vielleicht etwas trocken sind, aber glaub mir, es lohnt sich, sich näher mit den Duftölen zu beschäftigen. Die praktische Anwendung macht auch deutlich mehr Spaß und du kannst mit allen Sinnen genießen. Ich werde dir nach und nach die wichtigsten Aromaöle für Frauen und ihre Anwendungsmöglichkeiten vorstellen. Gibt es vielleicht ein Öl, dass dich besonders interessiert? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

Noch ein kurzer Tipp zum Abschluss, wenn du dir direkt ein Öl kaufen möchtest, um mal zu schnuppern: Lavendel! Mit Lavendel kannst du absolut nichts falsch machen und wirst ihn in deiner Hausapotheke sicherlich oft gebrauchen können!

Katrin Schumann

Katrin Schumann ist Expertin für Frauengesundheit und Heilpraktikerin mit eigener Praxis im Ruhrgebiet. Ihr Ziel ist es mit der Gesundheitsrevolution Frauengesundheit 2.0 Frauen dabei zu unterstützen, ihren Körper besser zu verstehen. Im Fokus steht die Selbstermächtigung jeder Frau und das vermitteln von Wissen, um die eigene Gesundheit aktiv gestalten zu können. Zu den Fachgebieten der Autorin gehören die ganzheitliche Frauenheilkunde, das Hormonsystem inkl. hormoneller Beschwerden und die alternative Monatshygiene sowie die natürliche Verhütung.
Katrin Schumann