Nach Myomen ist die Endometriose die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung. In Deutschland erkranken jedes Jahr 40.000 Frauen an Endometriose, das entspricht bis zu 12 Prozent aller Frauen in der entsprechen Altersgruppe. Die Dunkelziffer ist aber tatsächlich weitaus höher, denn allzu viele Frauen werden erst sehr spät oder gar nicht diagnostiziert. „Stellen Sie sich nicht so an. Die Periode ist halt schmerzhaft.“ Solche oder sehr ähnliche Sätze hören die Betroffenen von Frauenärzten oder verständnislosen Menschen aus ihrem Umfeld. Fällt die Diagnose Endometriose, steht oft als einzige Behandlungsmöglichkeit die Pille im Raum. Doch hilft die Pille bei Endometriose wirklich und gibt es vielleicht doch alternative Endometriose Therapien?

 

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Endometriose – was ist das?

Obwohl so viele Frauen Monat für Monat unter den Symptomen der Endometriose leiden, ist die Erkrankung bei vielen Menschen noch recht unbekannt. Also, was ist denn nun diese Endometriose eigentlich? Endometriose ist eine chronische, gutartige Erkrankung, die in den meisten Fällen mit Schmerzen einhergeht. Die Gebärmutter ist mit Schleimhaut, dem sogenannten Endometrium ausgekleidet. Bei der Endometriose findet sich dem Endometrium sehr ähnliches Gewebe nicht nur in der Gebärmuttehöhle, sondern auch außerhalb. Das Schleimhautgewebe kann beispielsweise das Muskelgewebe der Gebärmutter infiltrieren oder die Eierstöcke befallen. Auch eine Ausbreitung in der Bauchhöhle oder auf den Darm ist möglich. In sehr seltenen Fällen treten die Gebärmutterschleimhautherde sogar in der Lunge oder im Gehirn auf. Doch was bewirkt nun die Schmerzen? Das Gewebe reagiert genau wie das Endometrium in der Gebärmutterhöhle auf die hormonellen Veränderungen im Zyklus. Das bedeutet: Es baut sich ebenso in der ersten Zyklushälfte auf und wird zum Zyklusende wieder abgestoßen. Die Folgen sind neben Gewebeblutungen und Schmerzen auch Narbenbildungen, die wiederum zu chronischen Schmerzzuständen führen können.

Endometriose Ursachen

Die genauen Ursachen der Endometriose sind noch nicht geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien über die Entstehung. Die zwei bekanntesten Theorien sind die Transplantationstheorie und die Metaplasietheorie. Die Transplantationstheorie geht davon aus, dass während der Menstruation Blut mit Schleimhautgewebe rückwärts über die Eileiter in den Bauchraum fließt und dort Herde bildet. Laut der Metaplasietheorie wandeln sich hingegen außerhalb der Gebärmutterhöhle bestimmte Gewebe in Endometrioseherde um. Beide Theorien konnten bisher nicht belegt werden. Ich möchte dir nun verschiedene Theorien und Risikofaktoren vorstellen, die meiner Meinung und Praxiserfahrung nach bei der Entstehung der Endometriose und vor allem bei der Schmerzentwicklung eine entscheidende Rolle spielen.

Endometriose durch hormonelles Ungleichgewicht

Die Endometriose geht häufig mit einer Östrogendominanz einher. Manchmal zeigt sich dies durch einen Östrogenüberschuss, in den meisten Fällen bestehen jedoch eher ein Progesteronmangel oder eine Progesteronresistenz. Während bei einem Progesteronmangel wirklich zu wenig Progesteron vorhanden ist, ist bei der Progesteronresistenz zwar ausreichend Progesteron vorhanden, die Zellrezeptoren reagieren jedoch nicht darauf. Sind Progesteron und Östrogen nicht im Gleichgewicht, können zahlreiche Beschwerden und gynäkologische Erkrankungen auftreten. Eine dieser Erkrankungen ist die Endometriose. Die Ursachen für das hormonelle Ungleichgewicht sind hierbei individuell zu untersuchen. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel Umweltgifte (endokrine Disruptoren) oder auch eine unausgewogene Ernährung. Ebenso kann ein hormonelles Ungleichgewicht nach Absetzen der Pille auftreten. Allerdings ist meiner Meinung nach das hormonelle Ungleichgewicht nicht vorrangig Ursache der Endometriose, sondern eher Schmerztrigger. 

Endometriose durch gestörtes Immunsystem

Mittlerweile gibt es wenig Zweifel daran, dass das Immunsystem an der Entstehung der Endometriose beteiligt ist. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum zwar entsprechend der Transplantationstheorie bei allen Frauen Schleimhautgewebe während der Menstruation rückwärts durch die Eileiter wandert, aber nicht alle Frauen eine Endometriose entwickeln. Bei Frauen mit Endometriose ist die Aktivität bestimmter Immunzellen vermindert. Zeitgleich bilden sie vermehrt Autoantikörper gegen Endometrium- und Eierstockgewebe. Das bedeutet, dass der Körper das Endometriumgewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle nicht loswerden kann. Zudem geht das Immunsystem vermehrt gegen körpereigenes, eigentlich harmloses Gewebe vor. Experten diskutieren deshalb, ob die Endometriose den Autoimmunkrankheiten zugeordnet werden kann.

Endometriose und der Darm

Die Verbindung zwischen der Darmgesundheit und der Erkrankung Endometriose wird nur selten beachtet. Meiner Meinung nach völlig zu Unrecht, denn das Mikrobiom der Gebärmutterschleimhaut scheint bei der Krankheit eine Rolle zu spielen. Und damit meine ich nicht allein, dass eine Störung der Darmflora ein hormonelles Ungleichgewicht begünstigt. So zeigt eine Studie aus dem Jahr 2018, dass Frauen mit Endometriose in der Bakterienbesiedlung ihrer Gebärmutterschleimhaut einen besonders hohen Anteil an Escherichea coli und verschiedenen gramnegativen Bakterien haben. Und was hat jetzt der Darm damit zu tun? Der Darm steht mit seinen mehr als 400m² Schleimhaut mit allen anderen Schleimhäuten im Körper über das Blut- und Lymphsystem ständig in Kontakt. Die Darmschleimhaut produziert ferner das Immunglobulin A (IgA), das eine Schutzbarriere gegen unerwünschte Bakterien und andere Erreger bildet. Mithilfe der Plasmazellen wird IgA zu anderen Schleimhautoberflächen im Körper transportiert. Eine intakte Darmschleimhaut wirkt sich also regulierend auf alle Schleimhäute im Körper und damit auch auf die Gebärmutterschleimhaut aus. 

Endometriose als multifaktorielles Geschehen

Die Endometriose hat meiner Praxiserfahrung nach nicht die eine Ursache, sondern entwickelt sich durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Als besonders prägend erachte ich das Zusammenspiel von hormonellem Ungleichgewicht und gestörtem Immunsystem. Häufigste Ursachen hierfür sind meiner Meinung nach eine unausgewogene Ernährung, Stress (Nebennierenschwäche!) sowie Umweltgifte beispielsweise aus Kosmetika, Plastikflaschen etc. Eine ganzheitliche Behandlung der Endometriose sollte also diese Faktoren berücksichtigen. Doch wie sieht die Realität aus?

Endometriose Epidemiologie

Die Pille zur Behandlung der Endometriose

Ungelogen: 10 von 10 Patientinnen, die meine Naturheilpraxis aufgrund einer Endometriose aufgesucht haben, erhielten vom Arzt den Rat: „Nehmen Sie doch die Pille.“ Viele dieser Patientinnen hatten auch einen Kinderwunsch, sodass diese Therapieempfehlung besonders absurd war. Eine Sache möchte ich ganz klar machen: Die Pille kann die Endometriose nicht heilen. Es handelt sich hierbei lediglich um eine symptomatische Behandlung. Das hormonelle Verhütungsmittel stellt die Endometrioseherde sozusagen ruhig. Das ist zumindest das Ziel der Behandlung. In meiner Praxis habe ich jedoch oft andere Verläufe erlebt.

Bei einem Teil der Patientinnen verbesserten sich die Symptome bei Einnahme der Pille zunächst. Nach einem Zeitraum von 3 bis 4 Monaten zeigte sich dann eine deutliche Verschlechterung. Traten die Schmerzen vor Pilleneinnahme vor allem kurz vor und während der Periode auf, entwickelte sich nun ein Dauerschmerz. Die Patientinnen hatten also keine zyklusabhängigen Schmerzen mehr, sondern litten den ganzen Monat unter mehr oder weniger starken Krämpfen. Auch wenn die Pille „anschlägt“ und die Symptome verschwinden: Wenn du die Pille absetzt, treten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder auf. Solltest du also (auch auf lange Sicht) einen Kinderwunsch haben, bringt dir die Pilleneinnahme wenig. Denn spätestens wenn du schwanger werden möchtest, musst du die hormonelle Verhütung logischerweise beenden. Übrigens gibt es Frauen, bei denen die Einnahme der Pille eben nicht zu einer Stilllegung der Endometrioseherde führt. Bei dieser Gruppe von Frauen wachsen die Herde unter der Pilleneinnahme sogar. Man spricht hier auch von „non-respondern“.

 

Alternative Therapie der Endometriose

Doch wie kann man die Endometriose stattdessen behandeln? Ich gebe zu: Die Endometriose gehört nicht zu den Erkrankungen, die sich schnell und einfach „heilen“ lassen. Mit Geduld und zugegebenermaßen auch viel Disziplin bekommen viele Frauen die unangenehmen Beschwerden aber weitgehend in den Griff. Ich möchte dir deshalb gerne 3 Tipps geben, mit denen du deine Endometriose Beschwerden verbessern kannst.

 

Tipp 1: Achte auf deine Ernährung

Wenn du unter Endometriose leidest solltest du Genussgifte wie Alkohol und auch Koffein meiden. Auch tierische Fette und Eiweiße können deine Beschwerden verschlechtern. Viele Frauen berichten über eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome, wenn sie Weizen von ihrem Speiseplan streichen. Gemüse in jeder Art und Form ist hingegen sehr empfehlenswert!

 

Tipp 2: Meide Umweltgifte

Schritt 1: Checke deinen Badezimmerschrank. Viele Kosmetika enthalten sogenannte endokrine Disruptoren. Inhaltsstoffe wie beispielsweise Parabene können dein Hormonsystem ordentlich durcheinander bringen. Wenn du dir unsicher bist, ob deine Kosmetik hormonfreundlich ist, kannst du Apps wie Toxfox oder Codecheck nutzen. Trinkst du noch Wasser aus Plastikflaschen? Ab heute nicht mehr! Steige auf Glasflaschen oder gefiltertes Leitungswasser um, um weniger Schadstoffe aufzunehmen.

 

Tipp 3: Bewegung und Entspannung

Die richtige Balance zwischen Bewegung und Entspannung spielt bei der Endometriose Behandlung eine wichtige Rolle. Leichter Ausdauer- und Kraftsport kann deine Beschwerden lindern. Ebenso wichtig sind aber auch regelmäßige Pausen im Alltag. Vielleicht hast du Lust meditieren zu lernen oder legst mehrmals in der Woche eine kleine Yogaeinheit ein?

 

Natürlich gibt es noch weitere alternative Therapien bei Endometriose. Dazu gehören die Heilpflanzen- und die Aromatherapie oder alternative Verfahren wie die Akupunktur. Auch angeleitetes Beckenbodentraining sowie Osteopathie können sehr hilfreich sein. Eine ganzheitliche Betreuung und Behandlung bei einem Heilpraktiker oder Arzt deines Vertrauens ist vor allem bei starken Beschwerden und langjährigem Krankheitsverlauf auf jeden Fall zu empfehlen.

 

Leidest du vielleicht auch unter Endometriose? Was hat dir bei Endometriose besonders geholfen? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Katrin Schumann

Katrin Schumann ist Expertin für Frauengesundheit und Heilpraktikerin mit eigener Praxis im Ruhrgebiet. Ihr Ziel ist es mit der Gesundheitsrevolution Frauengesundheit 2.0 Frauen dabei zu unterstützen, ihren Körper besser zu verstehen. Im Fokus steht die Selbstermächtigung jeder Frau und das vermitteln von Wissen, um die eigene Gesundheit aktiv gestalten zu können. Zu den Fachgebieten der Autorin gehören die ganzheitliche Frauenheilkunde, das Hormonsystem inkl. hormoneller Beschwerden und die alternative Monatshygiene sowie die natürliche Verhütung.
Katrin Schumann