In meinem letzten Artikel hast du die wichtigsten Basics zum Thema „Hormone der Frau“ bekommen. Nun schauen wir uns die häufigsten Hormonstörungen genauer an und starten heute mit der Östrogendominanz. Ein Großteil meiner Patientinnen in der Praxis hat eine solche Östrogendominanz. Natürlich kommen diese Frauen nicht mit der Diagnose Östrogendominanz, sondern mit Beschwerden wie Endometriose, Wechseljahrsbeschwerden, unerfülltem Kinderwunsch oder Zyklusstörungen. Hast du vielleicht auch eine Östrogendominanz und weißt es noch gar nicht? In diesem Artikel erfährst du alles, was du wissen musst.

 

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Östrogen – wichtiges weibliches Geschlechtshormon

 

Wie der Name Östrogendominanz schon erahnen lässt, geht es bei dieser Hormonstörung um das Geschlechtshormon Östrogen. Eigentlich gibt es gar nicht das eine Östrogen. Es handelt sich vielmehr um eine Hormongruppe mit Vertretern wie Östriol, Östron oder Östradiol. Gängig ist auch die Schreibweise mit E: Estriol, Estron und Estradiol. Östrogene spielen insbesondere in der 1. Zyklushälfte eine wichtige Rolle. Sie werden vor allem in den Eierstöcken, genauer in den Thekazellen und in den Granulosazellen, gebildet. Diese Zellen umgeben die Ovarialfollikel. Mit der Follikelreifung nimmt auch der Östrogenspiegel zu. Sein Maximum erreicht er unmittelbar vor dem Eisprung.

Östrogene sorgen für die Ausbildung und den Erhalt der weiblichen Geschlechtsmerkmale und für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut im Zyklus. Die Hormone bereiten die Gebärmutter auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vor. Aber Östrogene haben auch einen Einfluss auf den Stoffwechsel. Sie fördern zum Beispiel die Knochenstabilität.

 

Was ist eine Östrogendominanz?

 

Bei einer Östrogendominanz dominiert das Östrogen. Und das nicht nur in der 1. Zyklushälfte, sondern im gesamten Zyklus. Normalerweise wird das Östrogen etwa ab der Halbzeit vom Progesteron abgelöst. Progesteron ist ein weiteres wichtiges weibliches Geschlechtshormon. Genauer kannst du dies in dem Artikel „Die wichtigsten Hormone der Frau“ nachlesen. Im Grunde sind Östrogen und Progesteron zwei Partner, die Hand in Hand im weiblichen Zyklus arbeiten. Mal gibt der eine den Ton an und mal hat der andere das sagen. Ähnlich wie im echten Leben ist das die Grundlage für eine gesunde Beziehung 😉 Doch bei einer Östrogendominanz ist dieses Gleichgewicht gestört. Alles geht nun nach dem Willen des Östrogens, das Progesteron ist in der Unterzahl und kann nicht regulierend eingreifen. Doch wie kommt es dazu?

Östrogendominanz Diagnose

Zu hoher Östrogenspiegel, Progesteronmangel und das Östrogen Progesteron Verhältnis

 

Östrogen- und Progesteronspiegel sind eng miteinander verflochten. Nicht immer ist die Ursache für eine Östrogendominanz auch ein Östrogenüberschuss. Viel wichtiger als die einzelnen Hormonwerte ist das Östrogen Progesteron Verhältnis. Dieses Verhältnis bestimmt das weibliche Wohlbefinden.

Natürlich kann ein Östrogenüberschuss die sogenannte Östrogen Progesteron Ratio stören. Wenn dein Körper zu viel Östrogen produziert, hat das Progesteron das Nachsehen. Aber auch normale Östrogenwerte können bei einer Östrogendominanz auftreten. Wie das möglich ist? Ein gestörtes Östrogen Progesteron Verhältnis zeigt sich auch bei einem Progesteronmangel. Deine Östrogenwerte sind dann in der Norm, deine Progesteronwerte hingegen im Keller. Du hast absolut betrachtet also nicht zu viele Östrogene im Blut, sondern nur im Verhältnis zum Progesteron.

 

Östrogendominanz Ursache

 

Die eine Ursache der Östrogendominanz gibt es nicht. Vielmehr haben viele Faktoren einen Einfluss auf das Östrogen Progesteron Verhältnis. Grundsätzlich kann hier natürlich zwischen den Ursachen für einen Östrogenüberschuss und den Ursachen für einen Progesteronmangel unterschieden werden. Um diesen Artikel nicht komplett zu sprengen, schauen wir uns jetzt nur die Ursachen für den Östrogenüberschuss an. Progesteronmangel und Progesterondominanz verdienen definitiv ihren eigenen Blogpost.

 

Die 6 wichtigsten Ursachen für einen zu hohen Östrogenspiegel

 

Kurz gesagt steigt der Östrogenspiegel durch folgende Faktoren an:

  • eine mangelnden Abbau und eine mangelhafte Ausscheidung
  • eine vermehrte Produktion

Häufig ist es eine Kombination aus beiden Faktoren. Dein Körper produziert zu viel Östrogen / erhält zu viel Fremdöstrogene von außen und / oder kann die Östrogene nicht abbauen oder ausscheiden.

 

Ursache 1: Die nachlassende Aktivität deiner Eierstöcke

 

Dieser Punkt kann vor allem auf dich zutreffen, wenn du dich in den letzten 2 bis 10 Jahren vor deiner letzten Menstruation befindest. Natürlich weißt du nicht, wann deine letzte Menstruation auftreten wird. Ungefähr ab dem 35. Lebensjahr stellt dein Körper weniger reife Eizellen zur Verfügung. Man spricht hier auch von einer verminderten Eierstockreserve oder im Englischen von der Diminished Ovarian Reserve. Damit du trotzdem noch schwanger werden kannst (das ist immer Ziel deines Körpers), fährt dein Organismus die Hormonproduktion hoch. Die Folge kann ein erhöhter Östrogenspiegel sein. Erst zum Ende der Perimenopause, also kurz vor der letzten Menstruationsblutung, fällt der Hormonspiegel dann ab.

 

Östrogendominanz Ursache 2: Fremdöstrogene

 

Fremdöstrogene sind ein Problem, das in der heutigen Gesellschaft einen immer größeren Raum einnimmt. Doch was sind denn eigentlich diese Fremdöstrogene? Sie sind auch unter der Bezeichung endokrine Disruptoren oder Xenoöstrogene bekannt. Es handelt sich hierbei um synthetische Substanzen, die im Körper östrogenähnlich wirken. Hormone binden sich immer nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an eine Zelle. Damit eine Wirkung ausgelöst wird, muss der Schlüssel genau in das Schloss passen. Und genau hier liegt das Problem. Der Schlüssel der Fremdöstrogene passt genau in das Östrogenschloss. Die Substanzen sind also gar keine Östrogene, rufen aber genau dieselbe Wirkung hervor.

Die hormonaktiven Substanzen stören somit deutlich die Wirkung der körpereigenen Hormone und können so verschiedene Beschwerden hervorrufen. Und wo zum Teufel verstecken sich diese Fremdöstrogene? Leider in sehr vielen Produkten, die du jeden Tag oder sehr häufig benutzt: Zahnpasta, Sonnencreme, Gesichtspflege, Plastikflaschen oder Konservendosen. Leider werden diese Substanzen in den Inhaltsstoffen von Kosmetika nicht explizit als hormonstörend erwähnt. Zu den hormonaktiven Stoffen gehören aber zum Beispiel Parabene. Entsprechend den Angaben des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben die Marken Procter & Gamble, Coty und Henkel den höchsten Anteil an belasteten Produkten in ihrem Sortiment. Besonders häufig finden sich Fremdöstrogene in Haarwachs, Sonnencreme oder Lippenstift. Richtig erschreckend: 7 Prozent aller Baby-Shampoos sind ebenfalls belastet. Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, kannst du mit den Apps ToxFox oder Codecheck prüfen, ob deine Kosmetika Schadstoffe enthalten.

Ein weiterer Stoff, der das Hormongleichgewicht stören kann, ist BPA. BPA steht für Bisphenol-A. Bisphenol-A ist ein Weichmacher, der in Kunststoffen verwendet wird. BPA findet sich zum Beispiel in Wasserflaschen. In Babyfläschchen ist die Substanz zum Glück seit 2011 verboten. Kassenbons sind übrigens auch mit BPA belastet. Für die meisten von uns nicht wirklich relevant, aber Kassiererinnen im Supermarkt haben auf diese Weise viel Kontakt zu dem Fremdöstrogen.

 

Ursache 3: Übergewicht

 

Diabetes und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko sind dir als Gesundheitsrisiko bei Übergewicht sicherlich bekannt. Doch wusstest du, dass Übergewicht auch deinen Hormonhaushalt durcheinander bringen kann? Dafür gibt es gleich zwei Erklärungen. Zum einen können Fettzellen Östrogen produzieren. Zum anderen werden im Fettgewebe Hormone umgewandelt. So wandelt das Enzym Aromatase  Androstendion zu Estron und Testosteron zu Estradiol um. Bei Übergewicht gibt es natürlich vermehrt Fettzellen und somit auch mehr Produktions- und Umwandlungsprozesse.

 

Ursache 4: Unausgewogene Ernährung

 

Auch meine Praxiserfahrung zeigt, dass die Ernährung eine entscheidende Rolle für das Hormongleichgewicht spielt. Vielleicht spielt sie sogar die wichtigste Rolle. Fleisch, Milch und Milchprodukte sind häufig mit Hormonen belastet. Pestizide können sich im Körper an die Östrogenrezeptoren binden und so den Hormonhaushalt stören. Ebenso nehmen wir häufig zu viele schlechte Kohlenhydrate in Form von Zucker, Weißmehl oder anderen verarbeiteten Produkten zu uns. Dadurch schädigen wir die Darmgesundheit. Ebenso wie die Leber ist auch der Darm für den Hormonabbau und die Hormonausscheidung wichtig. Außerdem sorgt er dafür, dass die Nährstoffe aus der Nahrung in den Körper gelangen. Ist dein Darm nicht in Ordnung, kannst du trotz ausgewogener Ernährung einen Nährstoffmangel haben. Diese Nährstoffe braucht dein Körper aber, um Hormone zu produzieren. Eine ausgewogene, hormonfreundliche Ernährung ist also das A und O für ein gesundes Hormongleichgewicht.

 

Ursache 5: Nährstoffmangel

 

Und damit kommen wir gleich auch zur 6. Ursache für eine Östrogendominanz: Nährstoffmangel. Dieser Faktor ist so wichtig, dass ich ihm einen eigenen Unterpunkt geben möchte. Natürlich gehen eine schlechte Ernährung und Nährstoffmangel häufig miteinander einher. Doch ebenso kann ein erhöhter Nährstoffverbrauch die Ursache eines Nährstoffmangels sein. Du verbrauchst zum Beispiel mehr Vitamine und Mineralstoffe, wenn du viel Stress hast oder (chronisch) krank bist. Auch einige Medikamente, wie beispielsweise die Pille, sind echte Nährstoffräuber. Besonders wichtig für einen gesunden Hormonhaushalt sind Magnesium, Zink, Kupfer, Vitamin B12 und Folsäure.

 

Ursache 6: Belastung mit Quecksilber und anderen Schwermetallen

 

Eine Schwermetallvergiftung klingt zwar dramatisch, äußert sich aber oft unauffälliger. Auch gynäkologische Beschwerden wie Zyklusunregelmäßigkeiten, PMS oder Unfruchtbarkeit können auf einer Schwermetallvergiftung basieren. Quecksilber und Co. können sich ebenso wie die Fremdöstrogene an die Östrogenrezeptoren binden. Noch dazu besetzen sie auch Bindungsstellen für Vitamine und Mineralien und stören so das Hormonsystem. Doch wie kommen Quecksilber und Co. in unseren Körper? Die häufigsten Schwermetallquellen sind:

  • Amalgamfüllungen
  • Fisch
  • Arzneimittel wie beispielsweise Impfstoffe
  • Pilzbekämpfungs- und Pflanzenschutzmittel

 

Der Vollständigkeit halber noch eine kurze Aufzählung weiterer Ursachen (inkl. der Ursachen des Progesteronmangels und der dadurch entstehenden Östrogendominanz):

  • hormonelle Übergangszeiten wie beispielsweise Schwangerschaft, Pubertät oder Wechseljahre
  • Zyklen ohne Eisprung
  • Einnahme der Pille
  • Insulinresistenz
  • chronischer Stress und Nebennierenschwäche
  • vermehrter Konsum von Alkohol
  • genetische Veranlagung

 

Östrogendominanz Symptome

 

  • vermehrte Wassereinlagerungen
  • Gewichtszunahme
  • wechselnde Stimmung
  • depressive Verstimmungen bis hin zur Depression
  • Zyklusstörungen
  • verlängerte  Periodenblutung
  • sehr starke oder sehr schwache Blutung
  • Schmerzen während der Menstruation
  • Konzentrationsstörungen
  • verstärkte Schmerzempfindlichkeit
  • berührungsempfindliche und angeschwollene Brüste

 

Symptome Östrogendominanz

 

Erkennst du dich hier wieder? Dann kann es sein, dass du eine Östrogendominanz hast. Natürlich gibt es für die genannten Symptome auch andere Ursachen. Die Beschwerden liefern aber auf jeden Fall einen deutlichen Hinweis, dass bei dir Hormonchaos angesagt ist. Noch dazu ist die Östrogendominanz mit verschiedenen anderen Erkrankungen vergesellschaftet. 

In der Praxis zeigen viele Patientinnen mit der Autoimmunkrankheit Morbus Hashimoto (Hashimoto Thyreoditis) auch eine ausgeprägte Östrogendominanz. Ebenso gehen Myome, die Endometriose, das prämenstruelle Syndrom (PMS) sowie hormonabhängige Tumoren wie Brustkrebs oder Eierstockkrebs oft mit einer Östrogendominanz und einem Progesteronmangel einher.

 

Östrogendominanz Diagnose

 

Die Diagnose Östrogendominanz lässt sich nicht allein anhand der Beschwerden stellen. Solltest du einige der Östrogendominanz Symptome kennen, wäre ein Hormoncheck eine gute Idee. Hier hast du zwei Möglichkeiten. Du kannst die Hormone im Blut testen lassen oder aber einen Hormonspeicheltest machen. Am aussagekräftigsten ist die Kombination aus beidem. Auf die Unterschiede zwischen Blut- und Speicheltest gehe ich in einem anderen Artikel nochmal ausführlich ein. 

 

Hormonspeicheltest und Blutanalyse

 

Gemessen wird in jedem Fall am 21. Zyklustag, wenn du einen 28 Tage Zyklus hast. Bei kürzeren Zyklen wird entsprechend vorher, bei längeren Zyklen später gemessen. Dauert dein Zyklus z.B. 31 Tage, kannst du den Hormoncheck am 24. Zyklustag durchführen.  Den Bluttest lässt du beim Arzt oder Heilpraktiker in der Praxis machen. Viele Heilpraktiker bieten zudem einen Hormonspeicheltest an, hier entfällt dann das lästige Pieksen. Einen Hormonspeicheltest kannst du auch zuhause selber durchführen und einschicken. Das Ergebnis kannst du dann einfach online abrufen oder erhältst es per Post. Zur Interpretation der Werte solltest du dich aber in jedem Fall an einen Therapeuten wenden. Eine Behandlung auf eigene Faust ist definitiv nicht zu empfehlen. Brauchst du Hilfe? Dann buche dir gerne einen Beratungstermin oder besuche mich in der Praxis.

In jedem Fall sind nicht nur die einzelnen Werte von Bedeutung, sondern vor allem ihr Verhältnis untereinander. Die Experten streiten sich allerdings, wie genau die optimale Östrogen Progesteron Ratio aussieht. Amerikanische Ärzte wie Dr. Lee oder Sara Gottfried sprechen von einer Ratio von 200:1. Demnach solltest du also 200-mal mehr Progesteron als Östrogen haben. In meiner Praxis strebe ich Werte zwischen 80:1 und 120:1 an. Allerdings gilt hier immer: Wohlbefinden vor Laborwerten. Frauenheilkunde 2.0 bedeutet eben auch, nicht nur strikt nach Laborwerten zu handeln. Viel wichtiger ist es, wie du dich fühlst!

 

Was hilft bei Östrogendominanz?

 

Du hast eine Östrogendominanz? Dann möchtest du bestimmt wissen, was jetzt hilft. Die genaue Behandlung hängt natürlich auch immer von der Ursache ab. Grundsätzlich gibt es aber verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Meistens hilft eine Kombination aus verschiedenen Therapien am besten weiter.

 

Ernährung

 

Wie bereits erwähnt, ist die Ernährung ein wichtiger Faktor bei der Entstehung der Östrogendominanz. Eine Hormonbehandlung ohne eine Anpassung der eigenen Lebensweise ist nicht effektiv. Wenn du einfach nur eine Hormoncreme schmierst, kann das vielleicht kurzfristig deine Symptome lindern. Ziel der Frauengesundheit 2.0 ist jedoch die Selbstermächtigung. Du kannst deine Gesundheit selbst in die Hand nehmen, Dinge verändern und wirst sehen, dass sich einiges zum Guten wendet. Bei einer Ernährungsumstellung bemerken viele Patientinnen erstaunliche Erfolge.

Deinem Hormonsystem zuliebe solltest du Fleisch, Milch und Milchprodukte aus der konventionellen Landwirtschaft meiden. Wenn du Fleisch essen möchtest, greife bitte auf Rindfleisch aus biologischer Weidehaltung zurück. Für eine gute Versorgung mit gesunden Fetten wäre zwar der Verzehr von Fisch wichtig, leider ist dieser immer häufiger mit Quecksilber belastet. Wie du nun weißt, kann Quecksilber deine Symptome verschlimmern. Gute Fette gehören aber in jedem Fall auf deinen Speiseplan: Kokosöl, Butter, Olivenöl, Nüsse, Avocado etc. Hier kannst du dich austoben.

Wusstest du, dass ein erhöhter Ballaststoffanteil in der Nahrung den Östrogenspiegel senken kann? Baue also vermehrt Ballaststoffquellen in deine Ernährung ein. Zu den ballaststoffreichen Lebensmitteln gehören Obst und Gemüse sowie Kleie, Flohsamen oder Leinsamen. Übrigens profitiert dein Hormonsystem bei einer Östrogendominanz vor allem von Kohl wie Brokkoli oder Rosenkohl. Diese enthalten Di-Indolmethan (DIM), das einen Östrogenüberschuss senken kann.

Auf Zucker und Weißmehlprodukte solltest du hingegen verzichten. Sie liefern viele Kalorien, haben aber kaum Nährstoffe an Bord. Bei regelmäßigem Verzehr fährt dein Blutzucker zudem Achterbahn und bringt deinen Hormonhaushalt ordentlich durcheinander.

 

Lebensstil anpassen

 

Regelmäßige Bewegung / Sport kann den Östrogenspiegel senken. Aber bitte nicht direkt mit einem Marathon starten, sondern das Training deinem Fitnesslevel anpassen. Einige moderate Sporteinheiten pro Woche sind schon absolut ausreichend. Eine tolle Sache ist auch Hormonyoga. Hier bewegst du nicht nur deinen Körper, sondern erlernst Übungen, die sich positiv auf dein Hormonsystem auswirken können.

Du solltest dich aber nicht nur ausreichend bewegen, sondern auch genug schlafen. Wir unterschätzen oft, wie wichtig Schlaf für unsere Gesundheit ist. Im Idealfall gehst du nicht später als 22 Uhr ins Bett. Warum? Vor dem Schlafengehen und in der Nacht schüttet der Körper vermehrt das „Schlafhormon“ Melatonin aus. Melatonin hemmt die Aktivität der Keimdrüsen und kann so einer vermehrten Östrogenausschüttung entgegenwirken. Bleibst du länger als 24 Uhr auf, muss dein Körper Cortisol ausschütten, damit du nicht einfach von der Couch fällst. Schüttet die Nebenniere über einen langen Zeitraum zu viel Cortisol aus, kann sie erschöpfen. Die Folgen einer solchen Nebennierenschwäche sind häufig ein Progesteronmangel und eine Östrogendominanz.

 

Heilpflanzen bei Östrogendominanz

 

Heilpflanzen sind wichtiger Bestandteil der Frauengesundheit 2.0. Mutter Natur hält für uns Frauen so viele Schätze bereit. Eine meiner Lieblingsfrauenpflänzchen ist der Frauenmantel. Der Name lässt schon erahnen, wie wertvoll das Gewächs für uns ist. Die Heilpraktikerin Magret Madejsky bezeichnet den Frauenmantel auch als „die Allesheilerin unter den Frauenheilkräutern“. Und ich stimme ihr da zu, denn Alchemilla vulgaris (so die Fachbezeichnung) lässt sich unheimlich vielseitig einsetzen. Frauenmantel wirkt nicht nur gestagenartig, sondern auch krampflösend, entzündungshemmend und empfängnisfördernd. Bei Östrogendominanz kannst du täglich eine Tasse Frauenmanteltee zu dir nehmen. Achte aber darauf, dass du wirklich hochwertigen Frauenmanteltee* kaufst, der frei von Schadstoffen ist. Du magst keinen Tee? Es gibt auch Tinkturen mit Frauenmantel*, die einen ähnlichen Effekt haben. Spreche die genaue Dosierung am besten mit deinem Therapeuten ab. 

Je nach Beschwerdebild können unterstützend weitere Pflanzen eingesetzt werden:

  • Melisse
  • Lavendel
  • Rosmarin
  • Salbei
  • Johanniskraut
  • Baldrian

 

Die Leber unterstützen

 

Die Leber ist für den Abbau von Östrogen zuständig. Funktioniert deine Leber nicht richtig, kann sie auch keine Hormone abbauen. Die Lebergesundheit ist deshalb wichtig für einen ausgeglichenen Hormonhaushalt. Deine Leber freut sich in jedem Fall über ein paar Streicheleinheiten. Wie genau? Zum Beispiel mit einem Leberwickel. Ein Schafgarben-Leberwickel ist ein altes, effektives und kostengünstiges Hausmittel. 

Deine Leber liebt Bitterstoffe. Bittere Salate und Löwenzahn regen die Leberfunktion ebenso an wie die Artischocke. Zur Unterstützung des Stoffwechselorgans kannst du auch eine Teekur mit einem Lebertee* machen. Empfehlenswert sind 2 bis 3 Tassen pro Tag über einen Zeitraum von 6 Wochen.

 

(Bioidentische) Hormontherapie

 

Auch wenn es bei Frauengesundheit 2.0 vor allem darum geht, die Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen, gehört die (bioidentische) Hormontherapie definitiv in die Hand eines Therapeuten. Als alleinige Behandlung ist sie meiner Meinung nach nicht geeignet, da sie eher symptomatisch wirkt. Du führst ein Hormon zu, das deinem Körper fehlt. Dadurch können sich die Beschwerden natürlich verbessern und die Zufuhr kann sicherlich helfen, das Hormonchaos vorübergehend etwas zu beruhigen. Ursächlich arbeitest du damit jedoch nicht. 

Je nach Ausprägung der Östrogendominanz kann der Einsatz einer bioidentischen Hormoncreme dennoch sinnvoll sein. Bei einem Progesteronmangel eignet sich natürlich vor allem eine Progesteroncreme. Einige Ärzte und Heilpraktiker nutzen auch Melatonin, um den Östrogenspiegel zu senken.

In der Praxis arbeite ich ausschließlich mit bioidentischen Hormonen in einer homöopathischen Aufbereitung. Warum bioidentisch? Die verwendeten Hormone haben die gleiche chemische Struktur wie die körpereigenen Hormone. Der Körper kann sie somit deutlich besser verwerten. Warum eine Creme und keine Tabletten? Über die Haut werden die Wirkstoffe gut und zugleich auch schonend aufgenommen. Zudem umgehen wir auf diesem Weg die Leber. Bei der Einnahme in Form von Tabletten geht ein Teil des Wirkstoffs schon in der Leber durch den sogenannten „First-Pass-Effekt“ verloren. 

 

Natürliche Hormone? Vorsicht!

 

Auch wenn es sich um „natürliche“ Hormone in einer geringen Dosierung handelt: Alles was eine Wirkung hat, kann auch eine Nebenwirkung haben. In vielen Foren oder Facebookgruppen experimentieren Frauen mit Progesteroncremes in deiner Dosierung von 10%. Übrigens sind diese eigentlich verschreibungspflichtig. Kurzzeitig erfahren sie auch eine Besserung, nach längerer Anwendung flutet sich das Progesteron jedoch im Körper an. Ein Progesteronüberschuss kann ähnliche Beschwerden hervorrufen wie ein Progesteronmangel. Sei also schlauer und arbeite mit jemandem zusammen, der sich mit dieser Thematik auskennt. 

 

 

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Katrin Schumann

Katrin Schumann ist Expertin für Frauengesundheit und Heilpraktikerin mit eigener Praxis im Ruhrgebiet. Ihr Ziel ist es mit der Gesundheitsrevolution Frauengesundheit 2.0 Frauen dabei zu unterstützen, ihren Körper besser zu verstehen. Im Fokus steht die Selbstermächtigung jeder Frau und das vermitteln von Wissen, um die eigene Gesundheit aktiv gestalten zu können. Zu den Fachgebieten der Autorin gehören die ganzheitliche Frauenheilkunde, das Hormonsystem inkl. hormoneller Beschwerden und die alternative Monatshygiene sowie die natürliche Verhütung.
Katrin Schumann