Januar 13, 2021

Scheidenpilz – natürlich behandeln und vorbeugen

Jucken und Brennen im Intimbereich...komischer Ausfluss...Ich wusste schon, dass etwas nicht stimmt. Deshalb ging ich auch zum Frauenarzt. Doch die Diagnose haute mich ganz schön um: Scheidenpilz. Ich muss dazu sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt zarte 14 Jahre alt war. Scheidenpilz? Holt man sich den nicht nur auf dreckigen Toiletten oder beim Sex? Ich war am Boden zerstört. Jetzt bin ich 20 Jahre älter und zumindest ein bisschen weiser. Natürlich holt man sich einen Vaginalpilz nicht auf dreckigen Toiletten. Die tatsächlichen Ursachen sind vielen Frauen und auch Frauenärzten immer noch nicht bekannt. Doch was tun, wenn Scheidenpilz auf Scheidenpilz folgt und auch die beste Scheidenpilz Creme nicht mehr hilft?

Scheidenpilz Symptome und Aussehen

Typischstes Symptom einer vaginalen Pilzinfektion ist Jucken. Am liebsten würde man sich ständig im Intimbereich kratzen. Doch wer steckt sich schon in der Öffentlichkeit die Hand in die Hose, um einmal kräftig zu kratzen? Häufig bleibt nichts anderes als die Pobacken zusammen zu kneifen und auszuhalten bis niemand in der Nähe ist. Unangenehm. Sehr unangenehm. 

Bei einem Vaginalpilz gesellt sich zu dem lästigen Juckreiz oft auch ein Ausfluss. Anders als bei einer bakteriellen Infektion der Vagina ist der weiße Pilzausfluss eher geruchsneutral. Auffällig ist vor allem die Konsistenz: cremig bis bröckelig. Je nach Ausmaß erinnert der Ausfluss bei Scheidenpilz an Quark. 

Die Pilze reizen die Vaginalschleimhaut deutlich, die empfindlichen Schleimhäute werden rissig. Deshalb können Rötungen und Schwellungen auftreten. Ein Brennen in der Scheide ist häufig. Der Geschlechtverkehr bringt zumeist Schmerzen.

In einigen Fällen verschwindet der Pilz von allein. Doch die meisten Frauen halten die Symptome nicht aus und greifen zur Pilzcreme oder zu Vaginalkapseln und -zäpfchen. Je nach Präparat reichen 1 bis 5 Tage aus, um den Pilz abzutöten. Häufig sind Schleimhäute und die Haut des Intimbereichs sowohl durch den Pilz als auch durch die hautreizenden Cremes noch einige weitere Tage angegriffen und sehr empfindlich.

Scheidenpilz behandeln – die Standardvariante

Zur Behandlung von Scheidenpilz sind in der Apotheke verschiedene Arzneimittel erhältlich. Ein Rezept braucht man in den meisten Fällen nicht. Typische Wirkstoffe von Cremes, Kapseln, Zäpfchen und Co. sind Nystatin und Clotrimazol. Beide Wirkstoffe sind sogenannte Antimykotika. Das heißt, dass sie Pilze abtöten können.

Ich bin ganz ehrlich: Wenn du maximal 1 mal im Jahr an einem Scheidenpilz leidest und dieser nach Anwendung der entsprechenden Mittel schnell verschwindet, brauchst du dich nicht zu sorgen. Tritt der Vaginalpilz jedoch mehrmals im Jahr auf und schlagen die frei verkäuflichen Anti-Pilz-Mittel nicht mehr an, lohnt es sich, nach den Ursachen zu forschen.

Scheidenpilz – das sind die wahren Ursachen

Cremes und Zäpfchen sind eine rein symptomatische Behandlung. Wenn du solche Mittel mit Clotrimazol oder Nystatin sehr häufig anwendest, kannst du die Entstehung einer Pilzinfektion sogar begünstigen. Warum? Clotrimazol und Nystatin reizen die Schleimhäute. Es können kleine Risse entstehen, das Vaginalmilieu wird geschädigt. Pilze haben dann leichtes Spiel.

Doch warum leiden einige Frauen so oft unter den unangenehmen Infektionen und andere Frauen haben damit gar kein Problem? Ein Scheidenpilz kann verschiedene Ursachen haben. Oft handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen. Das heißt, dass mehrere Faktoren an der Entstehung beteiligt sind.

Scheidenpilz durch Östrogendominanz

Vaginalpilze treten besonders häufig bei Hormonveränderungen auf. Deshalb leiden auch Frauen in der Schwangerschaft öfter unter einem Vaginalpilz. In der Schwangerschaft sind die Östrogenwerte erhöht. Das begünstigt die Scheidenpilzinfektion. Übrigens treten Scheidenpilzinfektionen deshalb auch bei vielen Frauen auf, die die Pille einnehmen. Häufige Ursache für Vaginalpilz ist zudem die Östrogendominanz. Hier stimmt das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron nicht. Die Östrogendominanz gehört zu den häufigsten Hormonstörungen und ist meiner Erfahrung nach an mehr als 75% aller Pilzinfektionen beteiligt.

Scheidenpilz – ist dein Darm schuld?

Scheidenpilz und Darm – wie soll das denn bitte zusammenhängen? Auf den ersten Blick erscheint es vielleicht unlogisch, aber die Darmgesundheit spielt eine entscheidende Rolle für die Vaginalgesundheit. Die Vaginalflora ist vor allem von Laktobazillen besiedelt. Diese Milchsäureproduzenten sorgen für ein Milieu, in dem sich kaum ein Keim oder Pilz wohlfühlt.  Der Darm dient als bakterielles Reservoir für die Vagina. Das heißt, dass Auffälligkeiten in der Darmflora sich häufig auch im Vaginalbereich zeigen. Wenn es sich im Darm ein Pilz gemütlich gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit zudem groß, dass er seinen Weg auch in die Vagina findet. 

Vaginal- und Darmflora stehen in enger Verbindung. Bei wiederkehrenden Pilzinfektionen der Scheide lohnt es sich deshalb immer, den Darm genauer anzuschauen. Dafür eignet sich ein Stuhltest.

Weitere Ursachen für Scheidenpilz

Eine Scheidenpilzinfektion kann verschiedene weitere Ursachen haben. Dazu gehören:

  • Einnahme von Antibiotika, Chemotherapeutika oder Kortison
  • Stress (auch häufig bei Nebennierenschwäche)
  • Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder HIV / AIDS
  • übertriebe Intimhygiene
  • Ansteckung beim Partner (oft Ping-Pong-Effekt)

Scheidenpilz ganzheitlich behandeln

Um einen Scheidenpilz ganzheitlich und damit auch nachhaltig zu behandeln, ist die Ursachenforschung wichtig. 

Darm in Ordnung bringen

  • Verzichte auf Fertigkost. Die enthaltenen Zusatzstoffe können die Darmgesundheit beeinträchtigen.
  • Nehme regelmäßig fermentierte Nahrungsmittel zu dir. Sauerkraut, Kimchi und Co. erfreuen deine Darmflora und machen Pilzen das Leben zur Hölle.
  • Packe deinen Teller voll mit Ballaststoffen. Ballaststoffe (v.a. aus Gemüse) sind Hauptnahrungsquelle für die Bakterien der Säuerungsflora. Ist die im Darm gut in Schuss, ist meistens auch die Vaginalflora ok.

Check deine Hormone

Ein hormonelles Ungleichgewicht kann die Entstehung von Pilzinfektionen begünstigen. Ob bei dir ein hormonelles Ungleichgewicht besteht, findest du mit einem Hormonspeicheltest heraus. Wie du einen solchen Hormonspeicheltest ganz einfach zuhause durchführen kannst, erzähle ich dir hier.

Setz die Pille ab

Ok, ich gebe zu. Das ist jetzt recht provokativ. Natürlich ist die Pille nicht immer Schuld an wiederkehrenden Scheideninfektionen. Fakt ist aber, dass einige Frauen auf den künstlichen Hormonstatus mit Pilzinfektionen reagieren. Pilzinfektionen gehören je nach Pillenpräparat und natürlich auch nach Veranlagung der Frau zu den häufigeren Nebenwirkungen der hormonellen Verhütung.

Überdenke deine Intimhygiene

"Da unten" ist es besonders schmutzig. Das muss wirklich gründlich gewaschen werden. Am besten täglich mit Seife. Ich glaube Generationen von Frauen wurde das Gefühl vermittelt, dass der Vaginalbereich etwas Schmutziges ist. Schau dich mal im Drogeriemarkt um, wie viele Intimwaschlotionen es dort für Frauen gibt. Aber hast du mal eine einzige Peniswaschcreme so prominent platziert gesehen? Ich nicht.

Fakt ist jedoch, dass übertriebene Hygiene im Intimbereich der Vaginalflora schadet. Durch zu gründliche Reinigung beugst du Pilzinfektionen also keinesfalls vor. Im Gegenteil: Wenn das Vaginalmilieu aus dem Gleichgewicht gerät, siedeln sich Pilze viel schneller an. In den Intimbereich gehört deshalb weder Seife noch Duschgel oder sonstige Pflegelotionen. Wasser genügt!

Solltest du dich beispielsweise während der Periode ohne Pflegeprodukte unwohl fühlen, wähle sorgfältig aus. Ich rate hier zum Multigyn FemiWash Schaum (keine Werbung, Empfehlung aus Erfahrung und Überzeugung).

Problemfaktor Periodenprodukte

Tritt der Scheidenpilz bei dir vor allem nach der Periode auf, können Binden oder Tampons (mit) daran Schuld sein. Tampons sind sehr saugstark. Das ist beabsichtigt, schließlich soll ja kein Blut in die Hose gehen. Doch die Tampons saugen nicht nur das Blut, sondern auch das Vaginalsekret auf. Die Schleimhäute trocknen aus und werden rissig. Pilze können sich so schneller ansiedeln. Noch dazu sind Tampons oft belastet mit Schadstoffen. Dasselbe gilt übrigens für herkömmliche Binden. Auch diese sind gechlort oder gar beduftet. Die Plastikschicht der Binden sorgt zudem für ein feuchtes Milieu in der Unterhose und das lieben Pilze. 

Du fragst dich nun was Alternativen zu Tampons und Binden sind? Stoffbinden und Menstruationstasse. Auch Periodenpanties gehören zu den empfehlenswerten Periodenprodukten.

Ätherische Öle zur Unterstützung bei Scheidenpilz

Insbesondere wenn du schon häufiger herkömmliche Cremes gegen Scheidenpilz genutzt hat, besteht die Möglichkeit einer Resistenz. Das bedeutet, dass die Antimykotika dem Pilz in deiner Vagina nichts mehr anhaben können. Eine natürliche Alternative sind ätherische Öle. Teebaumöl hat beispielsweise eine stark antimykotische Wirkung. Auch das ätherische Öl der Rose mögen Pilze gar nicht. Bei äußerem Pilzbefall finde ich das Rose Teebaum Hydrolat Spray der Bahnhofapotheke super. Zur inneren Anwendung gibt es spezielle Zäpfchen, die die passenden ätherischen Öle enthalten. Bitte komm aber nicht auf die Idee, einfach ätherische Öle auf Tampons zu tropfen und einzuführen. 1. sind Tampons wie schon besprochen bei Pilzen suboptimal. 2. können die Öle bei falscher Anwendung die Schleimhäute reizen.

Das Milieu verbessern mit Milchsäure und dem Pilz vorbeugen

Nach einer Pilzbehandlung empfiehlt es sich immer eine Aufbaukur mit Milchsäurezäpfchen zu machen. Damit kannst du das Vaginalmilieu stabilisieren und somit einer weiteren Pilzinfektion vorbeugen. Dazu eignen sich die einfachen Milchsäurezäpfchen, die du in jeder Apotheke erhältst.

Den Partner nicht vergessen

Taucht der Pilz trotz aller Vorsichts- und Behandlungsmaßnahmen immer und immer wieder auf, solltest du vielleicht mal an deinen Partner denken. Pilzinfektionen beim Mann bleiben häufig ohne Symptome und somit unbemerkt. Habt ihr nun ungeschützten Geschlechtsverkehr, kannst du dich anstecken. Schicke also vorsichtshalber deinen Partner zum Abchecken zum Urologen.

Das Wichtigste auf einen Blick

Wiederkehrende Pilzinfektionen lassen sich nicht nachhaltig mit Antipilzcremes behandeln. Vielmehr musst du den Ursachen auf den Grund gehen. Zu den häufigsten Ursachen gehören die Östrogendominanz und/oder eine Störung in der Darmflora.

Über die Autorin dieses Artikels

Katrin Schumann

Katrin Schumann ist Heilpraktikerin und Expertin für Frauengesundheit. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren eigenen Weg zu mehr Weiblichkeit, Gesundheit und Wohlbefinden zu gehen. Dabei zeigt sie Alternativen zur Pille als Patentlösung auf. Ihr Anliegen ist es, Frauen Wissen über ihren Körper zu vermitteln, damit sie freie und eigenständige Entscheidungen treffen können. Mehr über Katrin Schumann erfahren

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