Juli 7, 2019

Hormontest – Hormonspeicheltest für Frauen

Du hast das Gefühl, dass dein Hormonhaushalt durcheinander ist? Vielleicht hast du aber auch die Pille abgesetzt und möchtest wissen, wie dein Hormonspiegel nach der Hormoneinnahme aussieht? Oder aber leidest du vielleicht unter PMS oder Wechseljahrsbeschwerden? Mit einem Hormontest kannst du herausfinden, ob deine Hormone im Gleichgewicht sind. Grundsätzlich hast du die Möglichkeit deine Hormone im Blut untersuchen zu lassen. Einen Teil der Hormone kannst du aber auch im Speichel mithilfe eines Hormonspeicheltests bestimmen lassen. In diesem Artikel möchte ich dir einen Überblick über das Thema Hormonspeicheltest verschaffen. Ich erkläre dir zudem, warum ich so gerne mit dem Hormonspeicheltest arbeite.

 

Was ist ein Hormonspeicheltest?

Wenn du aufgrund von hormonellen Beschwerden einen Gynäkologen oder einen Endokrinologen aufsuchst, wird dieser sicher ein Blutlabor in Auftrag geben. Hier wirft er einen Blick auf deinen Hormonhaushalt. Einen Hormonspeicheltest wird dir der Arzt vermutlich eher nicht anbieten. Schade eigentlich, denn der Hormonspeicheltest ist ein tolles Diagnoseinstrument.

Wie der Name es schon verrät, werden die Hormone eben nicht aus dem Blut, sondern aus dem Speichel bestimmt. Dafür spuckst du einfach wie ein verärgertes Lama in mehrere Röhrchen, die dann im Labor untersucht werden. Es ist also kein einziger Piekser nötig und du kannst den Test sogar zuhause allein und unkompliziert durchführen. Ein klarer Vorteil gegenüber dem Bluttest.

 

Hormonspeicheltest vs. Hormone im Blut testen

Nun fragst du dich vielleicht, wo genau der Unterschied zwischen den beiden Testmethoden liegt? Dafür muss ich zunächst etwas weiter ausholen. Die Hormone sind in unserem Körper nicht einfach so unterwegs. Sie werden zu Transportzwecken an Eiweiße gebunden. Du kannst dir das in etwa so vorstellen, als wenn ein Arbeiter mit dem Taxi auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz ist. In dieser Zeit kann er jedoch nicht arbeiten. Ebenso ist das auch bei den Hormonen. Hormone, die an ein Transportprotein gebunden sind, sind inaktiv. Zudem ist so garantiert, dass immer ein gewisser Pool an "Reservehormonen" besteht.

Stell dir mal vor, alle Hormone würden frei im Körper kursieren. Sie würden dann sofort ihre Wirkung entfalten und ein riesiges Hormonchaos wäre vorprogrammiert. So stehen immer Hormone in ihrem Taxi zur Verfügung und können bei Bedarf aktiviert werden. Der Hormonbluttest zeigt dir nun, wie viele Hormone allgemein in deinem Körper unterwegs sind. Du weißt dann also den Gehalt von Progesteron oder Östrogen. Der Test verrät allerdings nicht, wie hoch der Anteil der gebundenen Hormone ist. Warum ist das aber wichtig? Du kannst einen ganz normalen Progesterongehalt haben, aber ein Großteil der Hormone ist an Proteine gebunden. Du hast dann also einen Mangel an aktiven Hormonen mit der entsprechenden Problematik, dieser fällt aber im Blut nicht auf, weil der absolute Hormonspiegel in Ordnung ist. Vereinfacht gesagt: Alle fahren Taxi, aber keiner arbeitet.

 

Vorteile des Hormonspeicheltests

Und nun kommt der Hormonspeicheltest ins Spiel. Dieser zeigt nämlich nur den Anteil der freien Hormone, also der Hormone, die wirklich in deinem Körper aktiv sind. Nicht selten war bei Patientinnen in meiner Praxis der Bluttest in der Norm, im Hormonspeicheltest zeigte sich aber ein deutlicher Mangel an freien und damit aktiven Geschlechtshormonen. Diese Patientinnen werden dann vom Arzt mit den Worten: "Die Blutwerte sind top." weggeschickt. Große Erleichterung tritt dann ein, wenn im Hormonspeicheltest deutlich wird, dass eben doch nicht alles in Ordnung ist.

Ein weiterer Vorteil des Hormonspeicheltests ist seine einfache Durchführung. Für einen Bluttest musst du in der Regel einen Arzt aufsuchen. Nicht jede Frau möchte das. Viele Frauen machen auch die Erfahrungen, dass ihr Arzt ihre Beschwerden nicht ernst nimmt und sie um einen Hormonstatus regelrecht betteln müssen. Einen Speicheltest kannst du notfalls auch auf eigene Faust durchführen. Dafür kannst du dir den entsprechenden Test einfach nach Hause schicken lassen. Ein klarer Vorteil: Du kannst genau den richtigen Zeitpunkt für deinen Test abpassen. Auch das ist in der Arztpraxis natürlich nicht immer möglich. Die Durchführung ist dank der beiliegenden Anleitung super easy. Deinen Befund bekommst du ebenfalls einfach nach Hause geschickt.

 

Welche Hormone kann man im Speichel bestimmen?

Das ist vielleicht ein klitzekleiner Nachteil. (Noch) nicht alle Hormone lassen sich im Speichel bestimmen. Sinnvoll ist eine Speicheldiagnostik für folgende Hormone:

  • Estradiol
  • Estriol
  • Progesteron
  • Testosteron
  • Cortisol
  • DHEA

Einige andere wichtige Hormone können nur im Blut sicher nachgewiesen werden. Das sind zum Beispiel die Schilddrüsenhormone T3 und T4 oder TSH. Mithilfe des Hormonspeicheltests erhältst du aber schon einen sehr guten Überblick über deinen Hormonhaushalt. Andere Hormone kannst du dann einfach in Ergänzung bei dem Hausarzt oder auch einem freien Labor messen lassen.

 

Bei welchen Beschwerden ist ein Hormonspeicheltest sinnvoll?


Du kannst einen Speicheltest zur Hormonbestimmung machen, wenn du unter Beschwerden wie einer zu starken oder zu schwachen Menstruationsblutung leidest oder wenn dein Zyklus unregelmäßig ist. Ein Hormon Speicheltest macht auch Sinn bei:

  • PMS mit Heißhunger, Stimmungsschwankungen etc.
  • Kinderwunsch
  • nach dem Absetzen der Pille (frühestens nach 3 Monaten)
  • Verdacht auf Östrogendominanz oder Progesteronmangel
  • ausgeprägter Müdigkeit und Erschöpfung
  • Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme etc.
  • Erkrankungen wie Endometriose oder bei Myomen und Zysten
  • Auffälligkeiten nach der Geburt (depressive Verstimmungen, Erschöpfung etc.

 

Wie genau führst du einen Hormonspeicheltest durch?

 

1.  Testkit besorgen

Für deinen Hormonspeicheltest kannst du dir ganz einfach beim Labor Medivere ein Testkit bestellen. Ich arbeite gerne mit diesem Labor, weil es ein Partnerlabor der Ganzimmun Diagnostics AG ist und sich bei den Speicheltests in meiner Praxis einfach bewährt hat. Du solltest unbedingt darauf achten, einen vertrauenswürdigen Anbieter zu wählen. Denn der Hormonspeicheltest nützt dir natürlich nur etwas, wenn er vom Labor auch gewissenhaft ausgewertet wird.

Medivere bietet dir verschiedene Testkits, du kannst zum Beispiel auch deinen Vitamin-D- oder deinen Vitamin-B12-Spiegel bestimmen lassen. Von Interesse für deinen Hormonhaushalt sind aber das Hormonprofil Frau und das Hormonprofil Frau Plus.


Unterschied Hormonprofil Frau und Hormonprofil Frau Plus

Wie unterscheiden sich die beiden Hormonprofile? Im Hormonprofil Frau werden Estradiol, Estriol und Progesteron getestet. Du bekommst also einen Überblick über die weiblichen Geschlechtshormone. Dieser Test ist empfehlenswert, wenn du erstmal grob schauen möchtest, ob deine Hormone eventuell aus dem Gleichgewicht geraten sind. Auch in Ergänzung zu einem bereits bestehenden Blutbild ist dieser Test gut.

Wenn es deine Finanzen zulassen, würde ich dir aber das Hormonprofil Plus empfehlen. Warum? Hier werden neben Estriol, Estradiol und Progesteron auch noch Testosteron, Cortisol und DHEA gecheckt. Hier bekommst du also einen Rundumschlag. Meine Erfahrung zeigt, dass Störungen bei den weiblichen Geschlechtshormonen allzu oft mit einer Nebennierenschwäche einhergehen. Ob du eine Nebennierenschwäche hast, zeigen unter anderem Cortisol und DHEA. Wenn alle Werte vorhanden sind, ist es einfacher, dein Hormonchaos gezielt anzugehen. 


2. Spucken

Du erhältst mit deinem Testkit eine ausführliche Anleitung sowie 3 Speichelgefäße und 3 Strohhalme. Mithilfe dieser Strohhalme spuckst du dann einfach in die Röhrchen, versiehst diese mit den beiliegenden Aufklebern und packst das Ganze in den Rückumschlag.

Achte darauf, dass du zwischen den einzelnen Proben möglichst nichts isst oder trinkst. Schau zudem, dass im Speichel kein Blut beigemischt ist (beispielsweise durch Zahnfleischbluten). Beides würde das Ergebnis des Tests verfälschen.

Ebenso empfiehlt es sich am Morgen des Tests keine Milchprodukte zu dir zu nehmen. Auch hier kann es zu Auffälligkeiten im Testergebnis kommen.


Und wann mache ich den Test?

Möchtest du nur deinen Cortisolwert testen lassen, ist der Tag komplett egal. Hier musst du dich nur an die vom Labor vorgegebenen Testzeitpunkte (Tageszeit!) halten. Möchtest du auch deine Geschlechtshormone testen, gilt es den richtigen Tag zum Testen zu finden. Vermutest du eine Östrogendominanz bzw. sind deine Symptome in der 2. Zyklushälfte tendenziell schlechter? Dann teste ca. 7 Tage nach Eisprung. Weißt du nicht genau wann dein Eisprung ist? Dann orientiere ich ungefähr an deiner Zykluslänge und teste ca. 7 Tage vor Einsetzen der Menstruation. Ist dein Zyklus also durchschnittlich 28 Tage lang, dann testest du am 21. Zyklustag. Hast du einen Zyklus von 33 Tagen, dann teste entsprechend am 26. Zyklustag. Du hast gar keinen Zyklus? Dann kannst du einfach ins Blaue hinein testen.


3. Befund

Deinen Befund erhältst du dann nach 3 bis 5 Tagen bzw. kannst diesen problemlos online abrufen. So in etwa sieht dein Hormonbefund dann aus.

Du siehst, das ist wirklich kein Hexenwerk und gut allein zu schaffen.


Wann kann ich keinen Hormonspeicheltest machen?

Wenn du die Pille einnimmst oder anderweitig hormonell verhütest, macht ein Hormonspeicheltest für die Geschlechtshormone wenig Sinn. Hier solltest du nach dem Absetzen der Pille oder dem Ziehen der Hormonspirale mindestens drei Monate warten bevor du einen Hormonspeicheltest machst. Deine Stresshormone kannst du hingegen auch testen, wenn du Hormone einnimmst.


Hormonbefund und nun?


Wenn du deinen Hormonbefund erhalten hast, kannst du dir anhand der Farben schon ganz gut einen Überblick über deinen Hormonhaushalt verschaffen. Ist alles im grünen Bereich oder gibt es Auffälligkeiten? Es ist zudem hilfreich das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron auszurechnen. Man spricht hier auch von der Östrogen-Progesteron-Ratio. Dafür teilst du deinen Progesteronwert durch deinen Östrogenwert. Ein gutes Verhältnis liegt zwischen 80:1 und 120:1. Alles darunter deutet auf eine Östrogendominanz hin (also z.B. 30:1 oder 45:1).  Nehm es aber bitte mit dem Verhältnis nicht allzu genau. Du solltest immer auch dein Befinden berücksichtigen. Das Verhältnis ist gut, aber dir geht es nicht gut? Dann stimmt etwas nicht. Das Verhältnis ist nicht optimal, aber du fühlst dich spitze? Dann belass es dabei und freu dich über dein gutes Wohlbefinden!

Hast du noch Fragen zum Hormonspeicheltest? Stelle sie mir gerne in den Kommentaren.

 

Über die Autorin dieses Artikels

Katrin Schumann

Katrin Schumann ist Heilpraktikerin und Expertin für Frauengesundheit. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren eigenen Weg zu mehr Weiblichkeit, Gesundheit und Wohlbefinden zu gehen. Dabei zeigt sie Alternativen zur Pille als Patentlösung auf. Ihr Anliegen ist es, Frauen Wissen über ihren Körper zu vermitteln, damit sie freie und eigenständige Entscheidungen treffen können. Mehr über Katrin Schumann erfahren

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  1. Das hast du super dargestellt. Besonders, dass du den unterscheid zwischen den beiden tests von medivere dargelegt hast ist super. Klar, weiss man, dass andere Dinge dann noch getestet werden, aber was der Vorteil davon ist, war mir nicht ganz klar. Also, kurz und bündig gut und verständlich erklärt. Vielen Dank. Ich hatte schon überlegt, mir den Test einfach zu bestellen. Aber jetzt bin ich noch ein Stück überzeugter. Beste Grüße und weiter so

    1. Super, dass dir der Artikel weitergeholfen hat. Dieser ganze Testdschungel ist wirklich nicht so leicht zu durchblicken. Dann wünsche ich dir gute Erkenntnisse mit dem Test!

  2. Liebe Katrin, danke für deine Arbeit! <3

    ich renne seit Jahren irgendwelchen Werten nach – meine Beschwerden verbessern sich leider nicht. Stets wird mir dann gesagt, dass alles in Ordnung sei.

    Dein Blogpost hier macht mir Hoffnung. Danke.

    Nun ist es aber ja auch so, dass es wichtig ist die Hormone jeweils an einem bestimmten Zeitpunkt im Zyklus zu testen. (Ich beziehe mich u.a. auf deinen Insta Post: https://www.instagram.com/p/CMCzc1VnvpJ/?utm_source=ig_web_copy_link) Magst du vielleicht die beiden Themen hier nochmal kurz in Zusammenhang bringen?

    (Mein Zyklus ist recht unregelmäßig: Jeder 2. Monat sehr lang; jeder andere 2. Monat sehr kurz; seit Beginn des aktuellen Zyklus messe ich meine Temperatur mit dem OVY Thermometer – es sieht ein wenig danach aus, dass ich keinen Eisprung hatte)

    Liebe Grüße,
    Mailin

    1. Liebe Mailin,
      ja genau der Hormonspeicheltest wird in der Regel am 19. bis 21. Zyklustag durchgeführt bzw. 7 Tage nach Eisprung. Wenn kein Eisprung vorhanden ist / der Zyklus sehr unregelmäßig ist, testet man einfach ins Blaue hinein. Wenn du allerdings keine Eisprünge hast / nur unregelmäßig einen Eisprung hast, ist es nicht so sinnvoll einen Test zu machen. Denn wenn kein Eisprung da ist, wird auch nur sehr wenig Progesteron produziert. Du kannst dann also davon ausgehen, dass du einen Progesteronmangel hast.

      Liebe Grüße
      Katrin

    1. Liebe Carola,
      um das Ergebnis nicht zu verfälschen solltest du mindestens 3 Monate keine Hormone genommen haben.

      Liebe Grüße
      Katrin

  3. HALLO KATRIN,

    Ich möchte gern mit einem Speicheltest herausfinden ob nun Östrogenüberschuss oder Progesteronmangel für eine Östrogendominanz verantwortlich ist.
    Doch aufgrund des Chaos in meinem Zyklus kann ich schlecht 7 Tage vor Eisprung bestimmen.

    Gründe: Ich hatte 3 Wochen am Stück Blutungen, eine Woche Pause und jetzt wieder seit anderthalb Wochen Blutungen. Myome wurden bereits vor 5 Tagen diagnostiziert. 2020 hatte ich ab Juni sechs Monate keine Blutungen. 2021 sehr schwach und Zwischenblutungen. 2022 etwas regelmäßiger aber dafür oft wochenlang.

    Wie soll ich den idealen Tag für den Speicheltest bestimmen?

    Vielen Dank für deine Antwort.

    1. Hey Daniela,
      wenn der Zyklus sehr unregelmäßig ist, kann man tatsächlich nur auf „gut Glück“ testen. Nehme also einen Tag, der ungefähr hinkommen könnte. Liebe Grüße Katrin

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